Es passiert ohne Vorwarnung: Ein kurzer Ruck zu viel, ein leichtes Verklemmen – und der Schlüssel bricht mitten im Schließzylinder ab. Der Schreck ist groß, der Reflex noch größer: Sofort versuchen, den abgebrochenen Teil herauszuziehen. Genau das ist in den meisten Fällen der erste und teuerste Fehler.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum Schlüssel brechen, welche Maßnahmen wirklich helfen – und welche Handlungen Sie besser sofort unterlassen.
Warum bricht ein Schlüssel im Zylinder ab? Ursachen und Risiken
Ein Schlüsselbruch im Schloss ist kein Zufall, sondern fast immer das Ergebnis eines längeren Prozesses. Die häufigste Ursache ist Materialermüdung: Schlüssel aus Zinkdruckguss – wie sie bei günstigen Nachschnitten häufig verwendet werden – verlieren mit der Zeit ihre Flexibilität und brechen unter Biegebelastung. Ein Qualitätsschlüssel aus Messing oder Stahl hält deutlich länger.
Weitere Ursachen sind mechanische Blockaden im Zylinder. Wenn das Schloss klemmt – etwa durch Schmutz, Rost, fehlende Schmierung oder einen leicht dejustierten Türrahmen – und man dennoch mit Kraft dreht, überträgt sich die gesamte Last auf den Schlüsselschaft. Das Ergebnis ist vorhersehbar.
Das Risiko bei einem Schlüsselbruch ist nicht nur, dass man ausgesperrt ist – sondern dass ein abgebrochenes Schlüsselstück im Zylinder diesen dauerhaft blockiert. Wenn der abgebrochene Teil tief genug sitzt, ist ein Zylindertausch unvermeidlich.
Schlüsselreste selbst entfernen: Diese Fehler kosten Sie mehr
Der häufigste Fehler: Mit einer Zange oder einem Schraubenzieher versuchen, den Schlüsselrumpf herauszuhebeln. In der Praxis schiebt man das Fragment dadurch tiefer in den Zylinder – oder verkratzt die empfindlichen Stiftzuhaltungen im Inneren so stark, dass ein gezieltes Öffnen anschließend unmöglich wird.
Auch Klebstoff auf einem Stab anzubringen und in das Schlüsselloch einzuführen ist eine verbreitete Hausmittel-Idee mit schlechter Bilanz. Kleber im Zylinder ist der sicherste Weg, das Schloss dauerhaft zu zerstören.
Was Sie tun dürfen: Prüfen Sie visuell, ob das Schlüsselende noch sichtbar und zugänglich ist. Wenn ja, können Sie mit einer speziellen Extraktionszange (erhältlich im Fachhandel) einen vorsichtigen Zugversuch unternehmen – aber nur, wenn Sie sich sicher sind und der Zylinder dabei nicht blockiert. Im Zweifelsfall: Hände weg und den Schlüsseldienst NRW anrufen.
Profis nutzen für die Schlüsselextraktion feine Hakenwerkzeuge, die die Schlüsseleinkerbungen greifen, ohne den Zylinder zu beschädigen. Diese Werkzeuge sind nicht im normalen Handel erhältlich.
Wann muss der Schließzylinder nach einem Schlüsselbruch getauscht werden?
Nicht bei jedem Schlüsselbruch ist zwingend ein Zylindertausch nötig. Wenn der abgebrochene Teil vollständig extrahiert werden konnte und der Zylinder anschließend problemlos funktioniert, reicht in der Regel ein neuer Schlüssel.
Ein Zylindertausch ist dagegen notwendig, wenn der Schlüsselrest nicht vollständig entfernt werden konnte, wenn beim Extraktionsversuch interne Bauteile beschädigt wurden oder wenn das Schloss vor dem Bruch bereits Funktionsstörungen zeigte. Gleiches gilt, wenn der Zylinder gebohrt werden musste, um ihn zu öffnen – dann ist er ohnehin funktionsunfähig.
Die Gelegenheit eines Zylindertauschs sollten Sie nutzen, um auf einen DIN-geprüften Sicherheitszylinder umzurüsten. Mehr dazu in unserem Beitrag über Einbruchschutz nachrüsten in NRW. Ein moderner Schließzylinder wie der EVVA MCS oder ABUS XP 20S bietet deutlich mehr Schutz als ein Standardmodell.
Fazit: Ruhe bewahren, Schäden vermeiden, Profi rufen
Ein abgebrochener Schlüssel ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Das Wichtigste: Keine improvisierten Extraktion versuchen. Rufen Sie den Schlüsseldienst NRW an, schildern Sie die Situation, und lassen Sie einen Fachmann entscheiden, ob eine Extraktion oder ein direkter Zylindertausch sinnvoller ist. In den meisten Fällen ist die Lösung einfacher – und günstiger – als befürchtet.